30 Kameraden der Wehren Kade, Zerben und Genthin und der ABC-Fachdienst des Kreises üben bei extremer Hitze
Giftalarm: Feuerwehren proben die Katastrophe

Von Kristin Schulze
Volksstimme 02.07.2012  

Ätzende Flüssigkeiten, giftige Gase - ein Fall für den Fachdienst ABC, die Umweltfeuerwehr. Die Wehren Kade, Zerben, Genthin, Loburg, Möckern und Gommern probten am Sonnabend den Ernstfall.

Ein kleiner Tümpel mitten im Wald. Natronlauge, eine stark ätzende Flüssigkeit, die bei Augenkontakt blind macht, schwimmt an der Wasseroberfläche. Lars Wenslau und Rene Dieckmann sollen sie abpumpen. Sie tragen Chemikalienschutzanzüge (CSA), für genug Luft sorgen Atemschutzgeräte. An den Händen tragen sie drei Paar Handschuhe. Das erschwert das Anschließen der Schläuche. Einer fehlt noch. "Zu kurz", ruft Rene Dieckmann im grünen Anzug. Dumpf dringen die Worte durch die Gesichtsmaske. Lars Wenslau holt das fehlende Schlauchteil, seine Bewegungen sind schwerfällig. Die Männer schwitzen. Mit Hilfe von außen können sie nicht rechnen, ohne Schutzanzug darf niemand in die Gefahrenzone.

Lars Wenslau (l.) und Rene Dieckmann proben den Ernstfall: den Austritt einer hochgiftigen Flüssigkeit. Das Tragen von Schutzanzügen ist dabei Pflicht. Um Männer und Boden nicht zu belasten, wird für die Übung kein echtes Gift genommen.

Während viele Menschen ihr wohlverdientes Wochenende genießen, quälen sich 30 Kameraden des Fachdienstes ABC, auch Umweltfeuerwehr genannt, auf dem Kader Festplatz, um den Ernstfall zu proben. "Wir werden zur Abwehr von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren gerufen", erklärt Heiko Sauermilch. Er leitet den Fachdienst ABC, der aus drei Zügen besteht (siehe Infokasten). Besonderes Augenmerk wird bei der Übung in Kade auf den zweiten Zug gelegt, der verantwortlich für die Gefahrenabwehr ist. Leiter dieses Zuges ist Christian Hering: "Wenn die Kollegen rausgefunden haben, welche Giftstoffe vorhanden sind, kommen die Männer in den komischen Anzügen, das sind wir."

Bei Lars Wenslau und Bei Lars Wenslau und Rene Dieckmann läuft es mittlerweile. Sie pumpen die giftige Flüssigkeit in einen separaten Behälter. "Raus aus den Anzügen", ruft ihr Chef Christian Hering. Höchstens 20 Minuten soll so ein Einsatz dauern. "Länger hält man es in den Dingern kaum aus." "Unfassbar heiß", sagt Lars Wenslau, als er den Anzug abstreift. "Aber im Einsatz blendet man das aus." Heiko Sauermilch erklärt den Sinn der Übung Durch die Schutzkleidung kann man schlechter greifen, man bewegt sich wie in Zeitlupe, das Atmen fällt schwer. Daran müssen sich die Männer gewöhnen." Auch Rene Dieckmann ist nun seinen Anzug los. Er ist klitschnass, aber nicht so fertig wie sein Kollege. Chef Heiko Sauermilch erklärt, warum: "Rene hat eine Kühlweste an, sie senkt die Temperatur." Die Westen werden gerade getestet. Dieckmanns Urteil ist eindeutig: "Deutlich besser als ohne." Er übt aber auch Kritik: "Wir hatten die Anzüge zu früh an. Saßen mit den Dingern im Zelt, der Einsatz begann erst später."

Darum ist es wichtig, die Abläufe zu üben, sagt Sauermilch. Im Einsatz ist jede Minute wichtig. Wenn die Jungs im Anzug stecken, müssen sie sofort an den Einsatzort. Zu zwei bis drei ABC-Einsätzen werden die Kameraden jährlich gerufen. "Hauptsächlich an Autobahnen und in Industrieanlagen", sagt Heiko Sauermilch. Und erzählt von seinem letzten Einsatz: "Das war in Schopsdorf, im Gewerbegebiet. Giftige Gase waren ausgetreten. Da kann man dann natürlich nicht abpumpen, da wird abgedichtet."

ABC Fachdienst

Abwehr
atomarer, biologischer und chemischer Gefahren
Ausbildung in der Landesfeuerwehrschule Heyrothsberge
Besteht aus drei Zügen
1.) Messen - findet heraus, ob und welche Giftstoffe ausgetreten sind
2.) Gefahrenabwehr - beseitigt den Giftstoff
3.) Dekontamination - reinigt Personen und Geräte



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